Wer pfSense als Router-Betriebssystem einsetzt und über einen deutschen Provider per PPPoE ins Internet geht, stellt früher oder später fest: Die öffentliche IP-Adresse ist heute eine andere als gestern. Das ist kein Fehler, sondern Absicht – und wer seine Infrastruktur selbst verwaltet, sollte verstehen warum. Noch wichtiger: Der pfSense PPPoE Reconnect lässt sich auf eine feste Uhrzeit legen, sodass der IP-Wechsel nicht mehr zufällig passiert.
Warum ändert sich die IP-Adresse überhaupt?
Deutsche Internetanbieter vergeben öffentliche IPv4-Adressen nicht dauerhaft. Stattdessen wird die PPPoE-Verbindung im Hintergrund regelmäßig getrennt und neu aufgebaut – bekannt als Zwangstrennung. Das Protokoll PPPoE (Point-to-Point Protocol over Ethernet) kommt bei Glasfaser- und DSL-Anschlüssen gleichermaßen zum Einsatz.
Bei jeder Zwangstrennung passiert Folgendes:
- Der Router beendet die PPPoE-Sitzung aktiv.
- Der Provider-Server weist beim Wiederverbinden eine neue IP aus seinem Pool zu.
- Die Verbindung steht nach wenigen Sekunden wieder.
Früher war die 24-Stunden-Zwangstrennung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, um eine dauerhafte Adresszuweisung zu verhindern. Heute ist das zwar nicht mehr verpflichtend, aber viele Provider halten an diesem Rhythmus fest – aus administrativen Gründen und zur Auslastungssteuerung ihres IP-Adresspools.
Welche Auswirkungen hat die Zwangstrennung im Betrieb?
Für normale Heimanwender ist der IP-Wechsel kaum spürbar. Wer aber selbst Dienste betreibt – VPN-Gateway, Heimserver, Nextcloud oder andere erreichbare Dienste – merkt die Auswirkungen deutlich:
- Laufende Verbindungen (VPN-Tunnel, SSH-Sessions) werden unterbrochen.
- DynDNS-Einträge müssen aktualisiert werden, bevor der Hostname wieder auflösbar ist.
- Firewall-Regeln mit Bezug auf die WAN-IP können kurzzeitig inkonsistent sein.
- Clients mit aktiver Übertragung verlieren die Verbindung ohne Vorwarnung.
Tritt die Trennung zu einem ungünstigen Zeitpunkt ein – tagsüber, abends beim Streaming oder mitten in einer Backup-Übertragung – ist das mehr als lästig.
pfSense PPPoE Reconnect auf eine feste Uhrzeit legen
pfSense bietet die Funktion Periodic Reconnect: Statt auf die Zwangstrennung zu warten, trennt sich der Router selbst zu einer definierten Uhrzeit und baut die PPPoE-Verbindung sofort neu auf. Der Zeitpunkt liegt damit in der eigenen Hand.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Im pfSense-Webinterface zu Interfaces → WAN-PPPoE navigieren.
- Das WAN-Interface über das Stift-Icon bearbeiten.
- Zum Bereich Advanced Configuration scrollen.
- Die Option Periodic Reconnect aktivieren.
- Bei Reconnect at die gewünschte Uhrzeit eintragen – empfohlen: 03:00.
- Mit Save und Apply Changes bestätigen.
Warum 03:00 Uhr? Zu dieser Zeit laufen in den meisten Netzwerken keine aktiven Sessions. DynDNS-Updates können automatisiert abgearbeitet werden, Backups sind meist abgeschlossen, und die kurze Unterbrechung bleibt vollständig unbemerkt.
Hinweis: Wer Dienste per Hostname erreichbar hält (z. B. über einen DynDNS-Dienst), sollte sicherstellen, dass der Update-Client auf der pfSense korrekt konfiguriert ist und nach dem PPPoE Reconnect automatisch die neue WAN-IP meldet. Ohne diesen Schritt ist der Hostname nach der Trennung vorübergehend nicht erreichbar.
Fazit
Die tägliche IP-Änderung lässt sich nicht abschalten – aber mit dem pfSense PPPoE Reconnect auf eine feste Nachtzeit legen. Wer 03:00 Uhr als Zeitpunkt wählt, vermeidet spontane Ausfälle, behält die Kontrolle über sein Netzwerk und gibt automatisierten Prozessen wie DynDNS die beste Voraussetzung, zuverlässig zu funktionieren. Ein kleines Setting mit spürbarer Wirkung.


