Du willst einen LSI SAS 3008 HBA für TrueNAS, Unraid oder ein anderes NAS-System vorbereiten?
Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie du die Firmware auf die aktuellste Version bringst – und warum das bei SATA-Festplatten absolut notwendig ist.
Ich habe mir für meinen Homelab-NAS eine 10Gtek LSI SAS 3008-8i Karte geholt.
Hier ist alles was du wissen musst – inklusive der genauen Kommandos und Screenshots aus meinem eigenen Flash-Vorgang.
Warum der LSI SAS 3008 HBA?
Der LSI SAS 3008 (auch bekannt als Broadcom/Avago SAS3008) ist einer der beliebtesten Host Bus Adapter für Homelab-NAS-Builds. Als SAS 3.0 Controller mit 12 Gbit/s pro Port bietet er mehr als genug Bandbreite für HDDs und SSDs – und vor allem arbeitet er im IT-Mode (Initiator Target Mode) vollständig transparent: Jede angeschlossene Festplatte wird direkt dem Betriebssystem übergeben, ohne dass der Controller dazwischenfunkt.
Das ist genau das, was Software-RAID-Lösungen wie ZFS (TrueNAS), md RAID (Unraid) oder Btrfs brauchen. Hardware-RAID würde die Festplatten vor dem Betriebssystem verbergen und macht S.M.A.R.T.-Monitoring sowie die Vorteile von ZFS zunichte.
Kosten meines Setups
- 10Gtek LSI SAS 3008-8i Karte (IT-Mode, neu): 75 €
- 2× SFF-8643 zu 4× SATA Kabel (je 8 Ports): 2 × 14 € = 28 €
- Gesamt: ~103 € für 8 SATA-Ports mit 12 Gbit/s
Zum Vergleich: Eine originale LSI 9300-8i kostet neu oft das Dreifache. OEM-Karten wie die 10Gtek-Variante oder die klassische IBM M1215 bieten denselben SAS3008-Chip zu einem Bruchteil des Preises.
Der kritische SATA-Bug in Firmware 16.00.10.00
Hier ist das Problem, das mich zu diesem Guide gebracht hat:
Firmware-Versionen unterhalb von 16.00.12.00 haben einen bekannten Bug,
der bei SATA-Festplatten zu sporadischen Controller-Resets führt.
„Servers with the LSI 9300 HBA may experience some performance issues causing the controller to reset when using SATA HDDs. iXsystems has worked with Broadcom to provide a firmware update that resolves the controller reset issue.“
— iXsystems (TrueNAS)
Wichtig: Das Problem betrifft ausschließlich SATA-Laufwerke. SAS-Laufwerke sind nicht betroffen. Da die meisten Homelab-NAS-Builds jedoch auf normale SATA-HDDs setzen, ist das Update für praktisch jeden relevant.
Meine Karte kam mit Firmware 16.00.10.00 ab Werk – direkt betroffen.
Das Ziel dieses Guides: Update auf 16.00.12.00.
Was du brauchst
- Einen PC mit dem LSI SAS 3008 HBA (PCIe-Slot)
- Einen USB-Stick (mind. 1 GB)
- Rufus (kostenlos, Windows)
- Die Firmware-Dateien aus dem GitHub-Repo:
EverLand1/9300-8i_IT-Mode- Alternativ auch im iXsystems Forum
- Sowie das Tool von Broadcom zum flashen der Karte
Das Repo enthält alle benötigten Dateien, inklusive der gepatchten Firmware 16.00.12.00
sowie den Flash-Tools für UEFI. Eine ausführliche Beschreibung des ursprünglichen Flash-Prozesses
(z.B. für IBM M1215 von IR zu IT) findest du auch auf ServeTheHome.
Schritt 1: Aktuellen Status der Karte prüfen
Bevor du irgendetwas flasht, solltest du wissen, was aktuell auf der Karte läuft.
Unter Windows geht das mit dem kostenlosen StorCLI-Tool von Broadcom.
Lade StorCLI herunter und führe in einer Administrator-Eingabeaufforderung aus:
storcli64.exe showDie relevanten Infos in der Ausgabe:
Firmware Version– ist sie unter 16.00.12.00? → Update nötigDriver Name = LSI_SAS3i(nicht MegaRAID) → Karte ist bereits im IT-Mode ✓SAS Address– notiere dir diese! Du brauchst sie nach dem Flash.
In meinem Fall: Firmware 16.00.10.00, IT-Mode aktiv, SAS-Adresse 500605bb12180145.
Update notwendig, aber kein Moduswechsel (IR→IT) nötig.
Tipp für den Gerätemanager: Taucht die Karte als „Avago Adapter, SAS3 3008 Fury (StorPort)“
auf – nicht als „MegaRAID“ – ist sie bereits im IT-Mode.
Schritt 2: USB-Stick mit UEFI-Shell vorbereiten
- Lade das ZIP vom GitHub-Repo herunter:
Code → Download ZIP oder direkt:https://github.com/EverLand1/9300-8i_IT-Mode/archive/refs/heads/main.zip - Starte Rufus, wähle deinen USB-Stick und stelle als Boot-Auswahl FreeDOS ein, dann auf Start.
- Lege nach der Formatierung folgende Ordnerstruktur auf dem Stick an:
USB:\ ├── EFI\ │ └── Boot\ │ └── bootx64.efi ← aus dem Repo ├── sas3flash.efi ← aus dem Repo ├── SAS9300_8i_IT.bin ← Firmware 16.00.12.00 aus dem Repo! ├── mptsas3.rom ← aus dem Repo └── mpt3x64.rom ← aus dem Repo
Wichtig: Im Repo liegen zwei .bin-Dateien – eine für 16.00.10.00 und eine für 16.00.12.00.
Du willst die neuere (16.00.12.00). Achte darauf, die richtige auf den Stick zu kopieren.
Schritt 3: In die UEFI Shell booten
Starte den PC mit eingestecktem USB-Stick neu und boote vom Stick.
Stelle sicher, dass im BIOS Secure Boot deaktiviert ist und der Boot-Modus auf
UEFI steht.
Du landest in einer UEFI Shell mit einer Mapping Table – einer Liste aller erkannten Laufwerke.
Der USB-Stick ist üblicherweise das Laufwerk mit USB im Pfad und MBR in der Beschreibung
(bei mir: FS4).
Navigiere zum USB-Stick:
fs4:
dirWenn du deine Dateien (sas3flash.efi, SAS9300_8i_IT.bin usw.) siehst, bist du richtig.
Schritt 4: Firmware flashen
Da die Karte bereits im IT-Mode ist, entfällt der Jumper-Schritt und der -noreset-Befehl aus älteren Guides. Wir machen direkt das Firmware-Update.
4.1 – Aktuelle Firmware-Version prüfen (optional aber empfohlen)
sas3flash.efi -listNotiere dir die SAS-Adresse aus der Ausgabe!
4.2 – NVRAM löschen
sas3flash.efi -o -e 7Der Hinweis Failed Reconnecting the EFI Driver (EFI Error: Not Found) am Ende ist kein Fehler – die Karte hat nach dem Löschen kurz kein Firmware mehr, das ist genau der gewollte Zustand.
4.3 – Neue Firmware flashen
sas3flash.efi -f SAS9300_8i_IT.bin -b mptsas3.rom -b mpt3x64.romDas dauert 1–2 Minuten. Nicht unterbrechen!
4.4 – SAS-Adresse zurückschreiben
Nach dem Flash ist die SAS-Adresse auf 0000000-0-0000-0000 zurückgesetzt.
Schreibe deine originale Adresse zurück (ohne Bindestriche):
sas3flash.efi -o -sasadd 500605bb121801454.5 – Ergebnis verifizieren
sas3flash.efi -listDu solltest jetzt sehen:
Firmware Version : 16.00.12.00✓Firmware Product ID : 0x2221 (IT)✓SAS Address : 500605B-B-1218-0145(deine Adresse) ✓
Dann:
resetSonderfall: Karte noch im RAID/IR-Mode?
Wenn deine Karte noch im IR-Mode (RAID-Mode) ist – erkennbar daran, dass StorCLI sie als „MegaRAID“-Controller anzeigt – brauchst du einen zusätzlichen Schritt.
Manche Karten wie die IBM M1215 haben dafür einen physischen Jumper (J6) auf der Platine, der für den Moduswechsel gesetzt werden muss. Eine detaillierte Anleitung dazu findest du auf
ServeTheHome.
Karten ohne Jumper-Option (wie die 10Gtek oder andere generische OEM-Karten) benötigen für den IR→IT-Wechsel zwingend den FreeDOS-Weg mit sas3flsh.exe statt der UEFI-Variante, da der UEFI-Flash-Befehl den Moduswechsel verweigert.
Kompatibilität: TrueNAS, Unraid, Proxmox & Co.
Der LSI SAS 3008 im IT-Mode funktioniert mit allen gängigen NAS- und Homelab-Betriebssystemen:
- TrueNAS SCALE / CORE – nativ unterstützt, empfohlener HBA für ZFS
- Unraid – nativ unterstützt
- Proxmox VE – nativ über mpt3sas-Treiber, ideal für PCIe-Passthrough
- OpenMediaVault – funktioniert ohne weitere Konfiguration
- Windows Server – StorCLI und nativer Treiber verfügbar
TrueNAS empfiehlt explizit Firmware 16.00.12.00 oder höher für SATA-Betrieb – genau deshalb war dieses Update notwendig.
Fazit
Der LSI SAS 3008 ist nach wie vor einer der besten HBAs für Homelab-NAS-Builds. Günstig, weit verbreitet, tadellos unterstützt. Aber: Firmware prüfen ist Pflicht, vor allem wenn SATA-Platten zum Einsatz kommen.
Der gesamte Flash-Prozess dauert mit diesem Guide unter 15 Minuten – und du gehst damit dem SATA-Reset-Bug dauerhaft aus dem Weg.
- Firmware-Dateien: github.com/EverLand1/9300-8i_IT-Mode
- Ursprünglicher IR→IT Guide: ServeTheHome – How to flash a LSI SAS 3008 HBA to IT mode


